Dietlind als Tae Kwon Do Schülerin
Das Drama ..ähm.. der Schreibtisch einer Theater-Dramaturgie
Die Leichtigkeit des Seins
Regie im Theater. Eine eigene Welt.
Dietlind (links) mit ihrem ersten Tai Chi Lehrer Andrew Dabioch (in weiß)
Öffentlichkeitsarbeit oder: das andere Theater
Menschen kommen zusammen für Lotus-Qigong - mit Ling Rong (unten mitte)
Verdiente Ruhe am Strand ...
Lehrgang mit Linda Chase Broda (vorne)

 
Tai Chi Lebenskunst - Home
Zuhause im Wandel - Tai Chi als Weg- und Lebenskunst


Die Künste waren schon als Kind mein Element: Ich hatte über 10 Jahre Tanzunterricht, lernte die (klassische) Gitarre. Vor dem Abitur erwachte verstärkt das Interesse an der bildenden Kunst und ich widmete mich viele Jahre dem Zeichnen, dem grafischen und plastischen Gestalten, nahm noch als Studentin Privatunterricht bei Künstler/innen, überlegte Kunstlehrerin zu werden.

Da mein Vater Musiker, meine Mutter aber Ärztin war, war die Heilkunst ebenfalls ein vertrautes Thema und bald interessierte ich mich - auch aufgrund eigener Erkrankungen - neben dem Blickwinkel, den die Schulmedizin bot, für alternative Heilmethoden. Hier weckte alles mein Interesse, was den Patienten nicht in die passive Rolle eines Leidenden und vom Arzt Abhängigen presst, sondern was Zusammenhänge zwischen geistigen, seelischen und körperlichen Prozessen erklärt und zur Heilung verwendet (wie z.B. die anthroposophische Medizin oder die Homöopathie, die ich zuerst kennen lernte).

Ich machte erste Erfahrungen mit Meditation. Und ich begann zu erkennen, dass ich selbst die Verantwortung dafür übernehmen musste, durch die Art, wie ich lebte, meine Erkrankungen zu überwinden.


Was hat dies alles mit Tai Chi / Qigong zu tun? Das sollte sich zeigen...

Mit der Bewerbungsmappe als Kunsterzieherin unter dem Arm begann ich zunächst ein Studium der Philosophie, Germanistik, Literaturwissenschaft und Pädagogik in Kiel - und blieb dort hängen. Denn schon hatte ich eine weitere Kunstform entdeckt, eine die so viele in sich vereinigt: Bilder, Töne, Bewegungen, Sprache, Musik - das Theater! Ich spielte, assistierte, beleuchtete in verschiedenen studentischen Theatergruppen, gründete schließlich eine eigene Gruppe und entdeckte mein Feld: Regie und Dramaturgie.

Und während ich meinen Lebensunterhalt als Schwesternhelferin im Krankenhaus verdiente (und dabei noch einmal intensiv die Vor- und Nachteile unseres Gesundheitssystems studieren konnte), verabschiedete ich mich von der bis dahin gepflegten Tanzkunst und entdeckte die Kampfkunst: Ich lernte bei Hans-Ferdinand Hunkel, einem direkten Schüler von Kwon Jae Wa, das traditionelle Tae Kwon Do.

Doch die Liebe zum Theater wurde zu einem Berufstraum und schließlich zu einer Berufschance. Und so verließ ich die Uni und arbeitete als Regie-, als Musik- und Dramaturgieassistentin und zuletzt als Regisseurin und Dramaturgin.

Als ich 1990 an der Tao Academy in Wilhelmshaven neben diesem sehr fordernden Theaterberuf mit Tai Chi begann, stellte sich bald das Gefühl ein, ich sei bei etwas ganz Wesentlichem 'angekommen'. Dafür gilt mein Dank meinem damaligen Lehrer Andrew Dabioch. Er förderte mich und setzte mich bald als Unterrichtsassistentin ein, vertraute mir schließlich selbstständig Unterricht an. Seither bin ich zunehmend 'Zuhause im Wandel' und folge mit meiner Tai Chi- und Qigong-Praxis den Spuren des DAO.


Dieser Wandel hat mich aus der Sphäre des Theaters wieder herausgelöst und statt der Bühnenkünste wurden die Lebenskünste mein Lebensinhalt.

Tai Chi und Qigong Lehrerin als Beruf habe ich mir also gar nicht ausgesucht, der Beruf ist zu mir gekommen. Es begann damit, dass mein Lehrer mir die Chance des 'Lernen durch Lehren' gab. Dieser Tradition, Schüler zu fördern, indem man ihnen die Verantwortung des Weitergebens zutraut, pflege ich ebenfalls.

Wandlungen und Entwicklungen wie in meinem Leben sind ein Beispiel für das, was in der daoistischen Philosophie mit Wu Wei, Handeln durch Nichthandeln, umschrieben wird - wenn Dinge sich scheinbar mühelos finden, so wie eine Pflanze dem Licht entgegenwächst und damit ihrem inneren Impuls und den gegebenen Möglichkeiten folgt.

Die persönliche Erfahrung, wie stark Tai Chi Chuan und Qigong bei der eigenen Klärung, Gesundung und persönlichen Entwicklung helfen können, hat mich bestärkt, dass es eine wunderbare Aufgabe ist, anderen Menschen den Zugang zu diesen Bewegungskünsten zu ermöglichen, damit auch sie gestaltende Künstler ihres Lebens werden können, statt am Leben passiv Leidende zu sein.

Es schien mir damals und scheint mir heute noch so, dass ich dieses Geschenk bekommen habe, um es weiterzugeben...


Ich begann 1992 zu unterrichten und habe seither sehr viele Menschen ein Stück ihres Weges begleiten dürfen. Voll Dankbarkeit schaue ich täglich auf das, was ich durch die Begegnung mit Ihnen lernen konnte und kann.

Viel durfte ich auch durch die Begegnung mit Kollegen im wechselseitigen Austausch lernen, auf Treffen des Netzwerkes Taijiquan und Qigong Deutschlands, dessen Vorsitzende ich eine Weile war.

Andere und weitere Lehrer begegneten mir auf meinem Weg, aber hervorheben möchte ich Linda Chase Broda (UK), die mit Ihrer großen Herzensenergie und Ihrem Ansatz 'Taiji for people with special needs' mir wichtige Anregungen für meine Arbeit gegeben hat, Meister Tjang Lian, den Daoistischen Mönch aus den Wudang Bergen und schließlich zwei Lehrer, die seit vielen Jahren mein weiteres Lernen entscheidend prägen: Patrick Kelly (Neuseeland), dem ich den Zugang zu einer tieferen und auch spirituellen Dimension des Tai Chi verdanke, und den Meister des Lotus-Qigong, Wei Ling Yi (VR China), dem ich den wahrhaft tiefen Zugang zum Qigong und eine unschätzbare Unterstützung bei meiner 'DAO-Reise' zu verdanken habe.

Auch auf theoretischer Ebene reizte es mich, meine Erfahrungen aus verschiedenen Lebensbereichen noch einmal zu bündeln. Im Magisterstudiengang an der Uni Hamburg beschäftigte ich mich von 1995 bis 2002 im Hauptfach Philosophie u.a. mit ökologischer Ethik, Wissenschaftstheorie und chinesischer Philosophie, besonders mit den theoretischen Grundlagen der westlichen und der asiatischen Medizin, im Nebenfach Psychologie mit mentalen Techniken, Kommunikationspsychologie und dem Lernen im Erwachsenenalter.


In meinem Unterricht bildet Qigong die Basis meiner Arbeit, die Aspekte des Miteinanders lassen sich dagegen besonders gut im Tai Chi erleben. Tai Chi Chuan als innere Kampfkunst: das Verstehen der Konflikte in mir selbst ebenso wie das weite Feld zwischen Ich und Du, zwischen Konfrontation und Harmonie. Ein Raum des miteinander Lernens. Ein Raum des miteinander Lebens.

Wesentlich aber bleibt für mich: am besten haben wir die Chance, zu Verstehen 'was die Welt im Innersten zusammenhält' (Goethe, Faust I), wenn wir eine lebendige Philosophie, eine Lebenskunst zu Hilfe nehmen - wenn wir lernen, mit allen Sinnen und auf allen Ebenen unseres Seins mitten im Leben zu stehen, oder besser: mit dem Wandel des Lebens zu fließen!

So fand mein eigenes Praktizieren und Forschen 2010 eine wunderbare Ergänzung bei meiner Berliner Kollegin Isolde Schwarz: Wir gründeten gemeinsam die "Bewegte Philosophie" , die sich der Erforschung der Verbindung von Bewegung und Bewusstsein, Philosophie und Spiritualität, Kampf-und Lebenskunst widmet und vor allem die inneren Aspekte der Übungswege über gezielte Einzelarbeit, Fachfortbildungen und Seminare zugänglich macht.